Aktionsplan Drogen und Sucht

Erstellt am: 25.06.2003 - von: mad

"Aktionsplan Drogen und Sucht" heute im Kabinett verabschiedet - Caspers-Merk: "Moderne Agenda zur Bewältigung der Suchtproblematik"
Das Bundeskabinett hat heute, am Vortag des Weltdrogentages, den „Aktionsplan Drogen und Sucht“ verabschiedet. Der Aktionsplan gibt die Strategie vor, auf deren Grundlage die Suchtprobleme in der Gesellschaft in den nächsten 5-10 Jahren bekämpft werden sollen. Die Kerngedanken sind zielgruppengerichtete Prävention, Einbeziehung der so genannten legalen Suchtstoffe, wie Alkohol, Tabak und Medikamente, sowie internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Drogenproblematik.
Die Parlamentarische Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, unter deren Federführung der Aktionsplan Drogen und Sucht erarbeitet wurde, erläutert seine Zielsetzungen:
„Jedes fünfte Bett in deutschen Krankenhäusern ist ein ‚Suchtbett‘, jeder zehnte Arztbesuch ist ein ‚Suchtbesuch‘. Die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Schäden durch Suchtmittelkonsum sind beträchtlich. Der heute verabschiedete Aktionsplan Drogen und Sucht ist eine moderne Agenda für die Bewältigung der Suchtproblematik. Wir gehen sowohl Probleme wie die Glücksspielsucht als auch neue Konsummuster an, z. B. das Rauschtrinken bei Jugendlichen und der Mischkonsum in der so genannten Partyszene.
In Deutschland leben 16,7 Mio. Raucherinnen und Raucher. Das heißt, jeder Fünfte raucht. Ein vorrangiges Ziel ist deshalb die Senkung der Raucherquote, vor allem bei den Jugendlichen. Sorge bereitet auch der Anstieg der Raucherquote bei den Frauen, die derzeit bei 31% liegt. Mittlerweile sterben jährlich über 9.000 Frauen an Lungenkrebs, einer Todesursache, die hauptsächlich auf das Rauchen zurückzuführen ist und bei Frauen früher praktisch nicht vorkam. Die Zahl steigt pro Jahr um etwa 3,5 %.
Die Instrumente zur Reduzierung der Suchtprobleme reichen von der geplanten Einrichtung einer bundesweit erreichbaren Suchthotline über verbesserte Früherkennung bei entstehenden Suchterkrankungen und Förderung der Selbsthilfe bis zur Eindämmung des Zigarettenschmuggels. Bewährte Projekte werden weitergeführt, so z. B. die Suchtprävention in Sportvereinen.
Bisher fehlte in Deutschland ein umfassender und verlässlicher Orientierungsrahmen für die Drogen- und Suchtpolitik. Diese Lücke schließt der Aktionsplan, der in die europäische und internationale Drogenpolitik eingebettet ist. Der Aktionsplan vertritt eine realitätsbezogene und ausgewogene Drogen- und Suchtpolitik. Suchtprobleme findet man in allen Gesellschaftsschichten, entscheidend ist oft nicht das Suchtmittel, sondern der Grad der gesundheitsschädlichen Abhängigkeit. Leitlinien des Aktionsplanes sind Prävention und bestmögliche Hilfe für den suchtkranken Menschen bei Heilung und Ausstieg.
Wir haben über 50 Stellungnahmen von Verbänden, z. B. Suchthilfeverbände, Krankenkassen, Bundesärztekammer etc., zum Aktionsplan erhalten und eine Ideenwerkstatt sowie eine weitere Dialogveranstaltung durchgeführt. Auf diese Weise konnten wir viele zusätzliche Anregungen aufnehmen, der Aktionsplan hat bereits viel Bestätigung bei der Erarbeitung erfahren. Es kommt nun darauf an, dass alle gesellschaftlichen Kräfte zur Reduzierung der Sucht- und Drogenprobleme gebündelt werden.
Darüber hinaus brauchen wir eine stärkere gesamtgesellschaftliche Diskussion über die Gefahren des Suchtmittelkonsums. Deshalb halte ich auch das Motto des diesjährigen Weltdrogentages - ‚Let’s talk about drugs!‘ für einen guten Beitrag.“
Zu den wichtigsten Zielsetzungen des Aktionsplanes Drogen und Sucht gehören:

- Veränderung des gesellschaftlichen Klimas hin zu einem kritischeren Umgang mit legalen und illegalen Suchtmitteln.
- Verbesserung der Früherkennung des Missbrauches von Suchtmitteln.
- Frühestmögliche Identifikation von neuen psychoaktiven Substanzen und Konsummustern.
- Sensibilisierung für die Gefahren des Mischkonsums.
- Zielgruppengerechte Prävention bei besonders gefährdeten Gruppen (z. B. Kinder aus suchtbelasteten Familien, Migranten etc.)
- Reduzierung von Unfällen unter Einfluss von psychoaktiven Substanzen.
- Umsetzung des Gender-Mainstreaming-Gedankens in der Suchtarbeit.
- Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität.

Neben diesen generellen Zielsetzungen enthält der Aktionsplan substanzbezogene Ziele, wie z. B. eine deutliche Senkung des Alkoholkonsums, der mit über 10 Liter reinem Alkohol pro Kopf und Jahr in Deutschland im europäischen Vergleich sehr hoch ist. Diese Ziele sind mit konkreten Maßnahmen für die Umsetzung verknüpft, ergänzt durch beispielhafte Projekte.
Der Aktionsplan Drogen und Sucht löst den „Rauschgiftbekämpfungsplan“ von 1990 ab. Ein Drogen- und Suchtrat, dessen Einberufung für den Herbst 2003 geplant ist, wird die Umsetzung des Aktionsplanes begleiten. Die für die Länderkoordination federführende Gesundheitsministerkonferenz wird sich auf ihrer Sitzung am 2./3. Juli mit dem Aktionsplan befassen.
Suchtprobleme bedeuten individuelle Tragödien für die Betroffenen und Angehörigen, zugleich belasten sie die Gesellschaft als Ganzes. In Deutschland schätzt man die Zahl der Alkoholabhängigen auf 1,5 Mio., dazu kommen 2,4 Mio. Menschen, die einen missbräuchlichen Alkoholkonsum zeigen. Über 40.000 alkoholbedingte Todesfälle sind pro Jahr zu verzeichnen. Von den 16,7 Mio. Raucherinnen (7,2 Mio.) und Rauchern (9,5 Mio.) in Deutschland sind 5,8 Mio. starke Raucher (mehr als 20 Zigaretten pro Tag). Tabakbedingte Todesfälle belaufen sich auf eine Zahl von über 110.000 pro Jahr. 1,4 Mio. Menschen gelten als medikamentenabhängig, davon sind zwei Drittel Frauen. Bei den Opiatabhängigen schätzt man die Zahl auf ca. 120.000 Betroffene. Im letzten Jahr starben 1.513 Menschen infolge des Konsums illegaler Drogen, womit sich der Rückgang in diesem Bereich bestätigt. Die gezielten Maßnahmen der Bundesregierung haben auch dazu beigetragen.

Den Aktionsplan Drogen und Sucht findet Ihr im Internet unter:

http://www.bmgs.bund.de/deu/gra/themen/praevention/drogen/2329.cfm